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von Thomas Heine

Im Gespräch mit Gerhard Bröker, Prokurist des Dienstleistungszentrums Wirtschaftsbetrieb GmbH des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Recklinghausen

Die Geschäftstätigkeit diakonischer Unternehmen in Zeiten der Globalisierung hat Auswirkungen auf Mensch und Umwelt weltweit. Ein wichtiges Handlungsfeld sind Textilien, die insbesondere in Krankenhäusern und in der Altenpflege in Form von Flachwäsche und Arbeitskleidung in großen Mengen eingesetzt werden.

Das Diakonische Werk im Kirchenkreis Recklinghausen versorgt, erzieht, pflegt, betreut, begleitet und berät mit 1.700 Mitarbeitern täglich rund 4.000 Menschen. Das Angebot reicht entsprechend über Betreutes Wohnen, Alten- und Pflegeheime, ambulante Dienste und Kinderheime bis hin zu Werkstätten für Menschen mit Behinderungen.

Erfahrung aus der Vergangenheit
Die umweltschonende und gesundheitsbewusste Reinigung ist ein wichtiges Element für eine nachhaltige Nutzung öffentlicher und kirchlicher Einrichtungen. Deshalb stellte die Diakonie im Kirchenkreis Recklinghausen schon vor fast 6 Jahren die Nutzung der Reinigungsmittel auf ökologische Produkte um. Ebenso veranlasste das diakonische Werk im Kirchenkreis Recklinghausen die Umstellung des Einkaufs auf nachhaltiges Büromaterial und Öko-Energie.

Herausforderung Einkauf öko-fairer Textilien
Für die meisten ist der Einkauf öko-fairer Textilien Neuland. Dabei geht es hier um große Mengen. In einem Krankenhaus mittlerer Größe werden zum Beispiel täglich über drei Tonnen Textilien verbraucht. Die meisten Einrichtungen kaufen ihre Bettwäsche, Handtücher und Berufskleidung nicht selbst, sondern mieten sie bei sogenannten „Textilen Vollversorgern“. Diese holen die verschmutzte Wäsche ab, waschen und bügeln sie und bringen die saubere Wäsche wieder zurück. Da diese Vollversorger die Textilien einkaufen, sind sie die Ansprechpartner im Blick auf eine öko-faire Einkaufspolitik.

Herausforderung ökofaire Berufsbekleidung

Als neues Projekt hatte das diakonische Werk im Kirchenkreis Recklinghausen Berufsbekleidung als zusätzliches Handlungsfeld erkannt. Zur Einschätzung der Situation muss man vorausschicken, dass die Budgetverantwortung bei den Dienststellenleitungen bzw. Einrichtungsleitungen der einzelnen Bereiche im diakonischen Werk im Kirchenkreis Recklinghausen liegt. Einmal jährlich werden die Budgets verhandelt. In der Vergangenheit wurde hier nur sehr bedingt auf die Nachhaltigkeit geschaut, im Vordergrund stand eher das Budget an sich.

Ein Pilotversuch wurde trotz dieser komplizierten Rahmenbedingungen mit dem Garten und Landschaftsbau beschlossen. Die Entscheidung fiel auf den GALA Bau, weil er ein überschaubarer Bereich mit drei Standorten in Datteln, Dorsten und Recklinghausen ist. Mit den beiden Gruppenleitungen wurden nach Rücksprache mit der Geschäftsführung die konkreten Anforderungen an die Kleidung festgelegt. Diese Kleidungsstücke wurden aufgenommen und in eine Ausschreibung gebracht. Um Akzeptanz bei den Beschäftigten zu erreichen beschrieb das diakonische Werk im Kirchenkreis Recklinghausen die Kleidungsstücke anhand der vorhandenen Textilien.
Unterstützung im gesamten Prozess der Umstellung auf eine ökofaire Berufsbekleidung kam von der Vereinten Evangelische Mission, Femnet e.V., der Superintendentin des Kirchenkreises und der Geschäftsführung.

Durch die Fachleute dieser Institutionen konnten schnell relevante Firmen identifiziert werden, die ein Angebot an ökofairer Berufsbekleidung im Portfolio hatten. Das diakonische Werk im Kirchenkreis Recklinghausen konzentrierte sich auf 5 Firmen. Die Ausschreibungsunterlagen, die man diesen zur Verfügung stellte beruhten auf Ausschreibungsunterlagen der Stadt Dortmund, die man an den eigenen Bedarf anpasste. Vier der angeschriebenen Firmen reagierten mit Zusendung ihrer Angebote.

Die eingegangenen Angebote wurden nach Artikelqualität, Preisen und Siegel bewertet. Auf diese Weise wurde die Firma Bierbaum-Proenen GmbH & Co. KG ausgewählt. Deren Artikel werden jedoch nicht direkt bezogen, sondern über die IGEFA Handelsgesellschaft mbH & Co. KG in Bielefeld, die nach Abwägung aller Kriterien das beste Preis-Leistungsverhältnis bieten konnte. Schwierig ist manchmal die Lieferzeit, aber bei rechtzeitiger Bestellung passt der Zeitrahmen.

Die Einführungsphase mit den Rückmeldungen aus den ausgewählten Bereichen war sehr lang, da die Mitarbeiter von Ihrer gewohnten Kleidung auf ein neues Produkt umsteigen mussten. „Da wir die Kultur pflegen, möglichst jeden relevanten Bereich mit einzubeziehen, dauern solche Prozesse oft sehr lange...."

Der finanzielle Aufwand für die ökofaire Bekleidung ist jedoch erstaunlicherweise kaum höher als bei einem regulären Produkt.
Vor diesem Hintergrund wünscht sich Gerhard Bröker, dass die Leitungen nachhaltige Produkte gezielt und intensiver als bisher einsetzen und dies im Budget berücksichtigen. So wäre am Beginn des Wirtschaftsjahres geklärt, dass die Finanzausstattung auch für ökofaire Kleidung vorhanden ist.

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